Arbeitsplatzkontrollen in Sachsen-Anhalt brechen dramatisch ein – nur noch jeder dritte Betrieb wird geprüft
Lukas FrankeArbeitsplatzkontrollen in Sachsen-Anhalt brechen dramatisch ein – nur noch jeder dritte Betrieb wird geprüft
Arbeitsplatzkontrollen in Sachsen-Anhalt seit 2022 drastisch zurückgegangen
Im Jahr 2022 prüften die Behörden in Sachsen-Anhalt noch 1.598 Betriebe – doch mittlerweile liegt die Kontrolldichte bei nur noch 42,4 Prozent dieses Niveaus. Der Rückgang fällt in eine Zeit, in der die Debatten über faire Löhne und Arbeitsaufsicht zunehmen, besonders vor dem Hintergrund der geplanten Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland im Jahr 2027.
Die Finanzkontrolle illegaler Beschäftigung (FKS) in Sachsen-Anhalt hatte 2022 insgesamt 1.598 Unternehmen überprüft. Bis 2025 sank diese Zahl auf 691 – ein leichter Anstieg gegenüber 677 im Vorjahr. Bei aktuell 62.211 Betrieben in der Region (2022: 65.738) bedeutet dies, dass ein durchschnittliches Unternehmen statistisch nur alle 90 Jahre mit einer Kontrolle durch den Zoll rechnen muss.
Noch seltener werden Landwirtschaftsbetriebe überprüft: 2025 wurden nur neun von 2.105 Höfen kontrolliert – im Schnitt würde ein Betrieb damit alle 234 Jahre eine Prüfung erfahren. Die Zahlen verdeutlichen die Kluft zwischen politischen Vorgaben und deren Umsetzung, während die Lohnfrage weiterhin drängend bleibt.
Aktuell verdienen in Sachsen-Anhalt 195.000 Beschäftigte – das entspricht 23,3 Prozent der Erwerbstätigen – weniger als 15 Euro pro Stunde. In nicht tarifgebundenen Betrieben liegt der Anteil sogar bei 35 Prozent. Der gesetzliche Mindestlohn betrug Anfang 2026 13,90 Euro und soll 2027 auf 14,60 Euro steigen. Die anstehende Erhöhung wird die Diskussionen über Lohngerechtigkeit und Kontrolldichte weiter anheizen.
Der Rückgang der Überwachung fällt mit einer schrumpfenden Wirtschaftslandschaft und anhaltend niedrigen Löhnen zusammen. Angesichts seltener werdender Kontrollen und zunehmender Lohndebatten stellt sich die Frage, wie wirksam die Region die Einhaltung der Vorschriften noch überwachen kann. Die Mindestlohnerhöhung 2027 wird zeigen, ob die Aufsicht mit den politischen Wechseln Schritt hält.






