Garnisonkirche Potsdam: Wiederaufbau des Turms beginnt mit kritischem Gedenken
Amelie KrügerIn der Garnisonkirche: Gedenkfeier zum 'Tag von Potsdam' - Garnisonkirche Potsdam: Wiederaufbau des Turms beginnt mit kritischem Gedenken
Die Rekonstruktion des Turms der Potsdamer Garnisonkirche hat begonnen – ab Ostern 2026 wird die Kuppel montiert. Das Projekt folgt auf jahrzehntelange Debatten über den Standort, der 1968 nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg abgerissen wurde. Einst Symbol preußischen Militarismus und später nationalsozialistischer Propaganda, dient die Kirche heute als Ort der Auseinandersetzung mit den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte – darunter eine kürzliche Gedenkveranstaltung für Opfer des Regimes.
Die ursprüngliche Garnisonkirche stand im Mittelpunkt eines prägenden Moments der deutschen Geschichte. Am 21. März 1933, dem sogenannten Tag von Potsdam, gaben sich Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg vor ihren Türen die Hand. Diese inszenierte Begegnung zur Eröffnung des Reichstags markierte das Ende der Weimarer Republik und die Machtkonsolidierung der Nationalsozialisten. Der Händedruck wurde zum ikonischen Bild und prägte den Ruf des Tages als "Geburtsstunde" des Dritten Reiches.
Die Ruinen der Kirche wurden 1968 von den DDR-Behörden beseitigt – damit verschwand ein Bauwerk, das sowohl mit preußischer Tradition als auch mit NS-Propaganda verbunden war. Pläne für einen Wiederaufbau stießen wegen der Assoziation mit dem Tag von Potsdam auf heftigen Widerstand. Kritiker warnen, die Rekonstruktion des Turms könnte eine Stätte glorifizieren, die mit Autoritarismus verknüpft ist. Befürworter betonen hingegen, das Projekt diene der Bildung und dem Gedenken.
2026 fand in der Kirche eine Gedenkveranstaltung zum 93. Jahrestag des Tages von Potsdam statt. Im Mittelpunkt standen die Opfer des NS-Regimes – eine bewusste Abkehr von staatlicher Selbstdarstellung hin zu historischer Reflexion. Trotz Verzögerungen durch Kälte markiert die Montage der Kuppel einen entscheidenden Schritt zur Vollendung des Turms, der künftig nicht der Verherrlichung, sondern der kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit dienen soll.
Der wiederaufgebaute Turm wird als sichtbares Mahnmal der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts stehen. Seine zukünftige Nutzung für Gedenkveranstaltungen und Bildungsformate steht in scharfem Kontrast zu seiner früheren Rolle in der NS-Propaganda. Das umstrittene Projekt spiegelt die anhaltenden Bemühungen wider, sich mit dem Erbe des 21. März 1933 und den damit verbundenen Symbolen auseinanderzusetzen.






