GKV steht vor 40-Milliarden-Defizit – Kommission schlägt radikale Reformen vor
Amelie KrügerGKV steht vor 40-Milliarden-Defizit – Kommission schlägt radikale Reformen vor
Die Gesundheitsfinanzierungskommission der Bundesrepublik hat ihren ersten Bericht zur Zukunftssicherung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorgelegt. Das Dokument warnt vor einer sich verschärfenden Finanzkrise: Bis 2027 droht der GKV ein Finanzierungsloch von 15 Milliarden Euro. Ohne Gegenmaßnahmen könnte das Defizit innerhalb von drei Jahren auf über 40 Milliarden Euro anwachsen.
Der durchschnittliche Beitragssatz zur GKV ist bereits 2026 auf den Rekordwert von 17,5 Prozent gestiegen – nach 17,1 Prozent im Vorjahr. Dieser Anstieg folgt auf die Erhöhung des Zusatzbeitrags von 2,5 auf 2,9 Prozent zu Jahresbeginn 2026.
Der Bericht der Kommission enthält 66 Empfehlungen, die ab 2027 die Finanzen der GKV stabilisieren sollen. Zu den Vorschlägen zählen Anpassungen der Finanzierungsregeln, etwa die Abschaffung der Sondervergütung für TSVG-Fälle sowie die schrittweise Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Kosten zu senken, ohne die Patientenversorgung direkt zu beeinträchtigen.
Weitere neutrale Vorschläge umfassen höhere Steuern auf Tabak und Alkohol. Zudem wird eine gestaffelte Abgabe auf zuckerhaltige Getränke geprüft. Der Bericht empfiehlt außerdem die schrittweise Einführung einer Pflicht zur Zweitmeinung vor häufigen Operationen, um unnötige Eingriffe zu reduzieren.
Einige Vorhaben bergen jedoch Risiken: Sollte die volle GKV-Finanzierung für Pilotprojekte gestrichen werden, könnte dies die Versorgungsqualität oder den Zugang zu Leistungen beeinträchtigen. Die Kommission räumt ein, dass nicht alle Maßnahmen gleichermaßen vorteilhaft sein werden.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wird die Empfehlungen nun prüfen. Noch in diesem Jahr sollen erste gesetzgeberische Schritte zur Umsetzung eingeleitet werden, um das prognostizierte 40-Milliarden-Defizit bis 2030 abzuwenden.
Die Ergebnisse des Berichts unterstreichen die Dringlichkeit einer Reform des GKV-Systems. Werden die 66 Empfehlungen umgesetzt, könnten sie die Finanzierungsstrukturen grundlegend verändern und die finanzielle Belastung verringern. Die weiteren Schritte hängen nun von der Bewertung durch Ministerin Warken und den anschließenden parlamentarischen Beratungen ab.






