Jeder zweite Jugendliche erlebt sexualisierte Gewalt im Netz – doch Schulen sind überfordert
Amelie KrügerJeder zweite Jugendliche erlebt sexualisierte Gewalt im Netz – doch Schulen sind überfordert
Eine aktuelle Studie zeigt, dass fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland von sexualisierter Gewalt im Internet betroffen ist. Die Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BZgA) macht auf ein weit verbreitetes Problem aufmerksam, das Minderjährige im gesamten Land betrifft. Trotz wachsender Sensibilisierung tun sich Schulen oft schwer, das Problem wirksam anzugehen.
Eine Form dieser Übergriffe ist das sogenannte Cybergrooming, bei dem Täter Kinder und Jugendliche gezielt in Online-Chats ansprechen, um sie später zu belästigen oder auszubeuten. Im Jahr 2025 gaben fast ein Viertel der Minderjährigen an, bereits Opfer solcher Methoden geworden zu sein.
Zwischen 2020 und 2023 führte Thüringen ein bundesweit einzigartiges Pilotprojekt durch, um sexualisierte Gewalt im digitalen Raum an Schulen zu bekämpfen. Unter der Leitung von Yasmina Ramdani wurden Präventionsworkshops für rund 5.000 Schülerinnen und Schüler angeboten. Das Programm wurde vom Landesbeauftragten für den Kinderschutz finanziert und galt als erstes seiner Art in Deutschland.
Die Workshops vermittelten Jugendlichen Wissen über Online-Risiken, darunter auch Grenzverletzungen in Freundeskreisen oder Klassenchats. Viele Vorfälle entstehen durch Naivität und mangelnde Medienkompetenz, weshalb Aufklärung entscheidend ist. Lehrkräfte erkannten zwar die Bedeutung des Themas, fühlten sich aber oft überfordert, wenn es um die konkrete Fallbearbeitung ging.
Die Nachfrage nach dem Projekt überstieg bei Weitem die Kapazitäten, und es gab Forderungen nach einer Fortführung nach den Sommerferien 2026. Doch Stand April 2026 gibt es keine bundesweiten Daten darüber, wie viele Schulen ähnliche Workshops eingeführt haben. Einige Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen berichten von Pilotprojekten an 50 bis 100 Schulen, doch ein vollständiger Überblick fehlt.
Das Thüringer Pilotprojekt zeigte einen hohen Bedarf an Präventionsangeboten zu digitaler sexualisierter Gewalt. Ohne eine zentrale Erhebung bleibt jedoch unklar, wie verbreitet solche Initiativen in den 16 Bundesländern sind. Schulen und Politiker stehen nun vor der Herausforderung, die Unterstützung auszubauen, um junge Menschen besser im Netz zu schützen.






