Marathon-Theater erlebt Renaissance: Warum Deutsche stundenlange Stücke lieben
Lukas FrankeMarathon-Theater erlebt Renaissance: Warum Deutsche stundenlange Stücke lieben
Deutsches Theater und die Kunst der Ausdauer: Warum Marathon-Aufführungen wieder boomen
Das deutsche Theater ist seit langem für seine epischen, stundenlangen Inszenierungen bekannt, die das Durchhaltevermögen des Publikums auf die Probe stellen. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen (1. bis 17. Mai) wurden einmal mehr diese ausufernden Stücke gefeiert – eine Tradition, die sich seit Jahrzehnten hält. Karten für eine der Produktionen, Wallenstein, waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, ein Beweis für die ungebrochene Faszination dieser ambitionierten Bühnenwerke.
Der Trend zu extrem langen Theaterstücken nahm in den 1970er- und 1980er-Jahren Fahrt auf, als sich das Regietheater durchsetzte. Robert Wilsons Einstein on the Beach, 1976 uraufgeführt, setzte mit einer Spieldauer von vier bis fünf Stunden früh Maßstäbe. 1999 überschritt Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele dann alle Grenzen: Die Inszenierung dauerte zwölf Stunden.
Das diesjährige Theatertreffen, eines der renommiertesten Theaterfestivals Deutschlands, präsentierte mit den Münchner Kammerspielen Wallenstein: Ein Festmahl in sieben Gängen – ein siebenstündiges Epos, das zum Publikumsmagneten avancierte. Das Festival lädt jährlich nur zehn herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein, was jede Auswahl zu einem Höhepunkt der Theatersaison macht.
In den letzten Jahren gab es weitere anspruchsvolle Langzeit-Inszenierungen, etwa 2023 am Bochumer Schauspielhaus mit Die Brüder Karamasow – eine Produktion, die ganze sieben Stunden dauerte. Die Pandemie unterbrach diese Tradition vorübergehend, als Theater auf kürzere, pausenlose Stücke umstellten, um Hygienevorgaben einzuhalten. Doch mittlerweile scheint die Lust auf ausdauernde Theatererlebnisse größer denn je: Die Berliner Volksbühne bringt bald Peer Gynt zurück auf die Bühne – allein der erste Teil dauerte bei der Premiere acht Stunden.
Der Erfolg von Wallenstein und anderen Langzeitproduktionen beim diesjährigen Theatertreffen bestätigt: Deutsche Theaterbesucher stehen weiterhin auf theatralische Marathons. Mit Häusern wie der Volksbühne, die weiterhin monumentale Werke auf die Bühne bringen, zeigt sich, dass die Tradition der ausufernden Aufführungen nicht an Strahlkraft verliert. Sie bleiben ein prägendes Merkmal der lebendigen deutschen Theaterszene.






