Mogilewer Brücke erhält umstrittenen Helden-Namen gegen Bürgerwillen
Amelie WeberMogilewer Brücke erhält umstrittenen Helden-Namen gegen Bürgerwillen
Eine Brücke an der Puschkin-Allee in Mogilew trägt nun offiziell den Namen Brücke des Helden der Sowjetunion M.I. Jaschin. Die Entscheidung traf die Kommission für Toponymie – obwohl sich die Mehrheit der Anwohner in einer Abstimmung dagegen ausgesprochen hatte. Kritiker werfen der Behörde vor, damit sowohl die öffentliche Meinung als auch historische Genauigkeit zu ignorieren.
Die Namensgebung stützt sich auf eine Verordnung des Staatlichen Eigentumskomitees aus dem Jahr 2008. Dieses Gesetz verbietet mehrdeutige oder schwer verständliche Bezeichnungen in Toponymen. Explizit untersagt es zudem die Verwendung von Initialen wie M.I. in offiziellen Titeln.
Die Resolution der Kommission geht noch einen Schritt weiter: Sie verbietet veraltete Formulierungen wie "benannt nach" oder "zu Ehren von". Stattdessen sollen Namen nur die Kategorie des Objekts und seine allgemeine Bezeichnung enthalten. Doch der neue Brückenname hält sich nicht an diese Vorgaben und verwendet weiterhin die alte Stilistik – ein klarer Regelbruch.
Aktivisten sprechen von rechtlichem Nihilismus. Sie argumentieren, dass Initialen oft verwirren, da nur wenige wissen, wofür sie stehen. Zudem können Namen je nach Sprache variieren oder mehrere Personen bezeichnen, sodass unklar bleibt, wer eigentlich geehrt werden soll.
Die Brücke trägt nun einen Namen, der den eigenen Richtlinien der Kommission widerspricht. Trotz öffentlicher Ablehnung und Bedenken hinsichtlich der Klarheit hat die Toponymie-Kommission die Entscheidung durchgesetzt. Das Ergebnis: Die Anwohner müssen sich mit einer Bezeichnung arrangieren, die veraltete Formulierungen mit unklaren Bezügen verbindet.






