Orbáns Macht wackelt: Kann die Opposition Ungarns politische Wende einleiten?
Amelie WeberOrbáns Macht wackelt: Kann die Opposition Ungarns politische Wende einleiten?
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán steht am 12. April vor einer schwierigen Wiederwahl. Umfragen zeigen, dass er hinter der Oppositionspartei Tisza liegt, die im Parlament eine einfache Mehrheit erringen könnte. Die Wahl findet zu einer Zeit statt, in der das Land mit wirtschaftlicher Stagnation, galoppierender Inflation und tiefgreifenden Sorgen über Korruption während seiner 16-jährigen Amtszeit kämpft.
Orbán, der dienstälteste Regierungschef der EU, hat das politische System Ungarns umgestaltet, um seine Macht zu festigen. Seine Regierung sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, demokratische Standards ausgehöhlt und faire Wahlen erschwert zu haben. Die EU hält wegen Korruptionsvorwürfen Gelder zurück – mit spürbaren Folgen für das Gesundheitswesen, die Bildung und die Wirtschaft.
Seit seinem Amtsantritt 2010 hat Orbán die Beziehungen zu Russland vertieft und die Abhängigkeit Ungarns von russischer Energie verstärkt. Die Ölimporte aus Russland stiegen von 61 Prozent vor dem Ukraine-Krieg 2022 auf heute 92 Prozent. Ungarn bleibt der größte Abnehmer von russischem Öl und Gas in der EU und gab allein 2025 rund 4,3 Milliarden Euro dafür aus. Zu den zentralen Projekten zählen die Druzhba-Pipeline für Öl – die teilweise von EU-Sanktionen ausgenommen ist – sowie TurkStream für jährlich 17 Milliarden Kubikmeter Gas.
International ist Orbán eine polarisierende Figur. Er pflegt enge Beziehungen zu Donald Trump und Wladimir Putin, die beide seine Wiederwahl unterstützen. In Brüssel gilt er als Bremser, der EU-Entscheidungen erschwert – etwa bei der Unterstützung für die Ukraine.
Die anstehende Wahl wird entscheiden, ob Orbán seine 16-jährige Herrschaft verlängert oder eine Niederlage erleidet. Ein Sieg von Tisza könnte die politische Richtung Ungarns verändern, doch die Opposition muss ein Wahlsystem überwinden, das zugunsten der regierenden Fidesz-Partei verzerrt ist. Das Ergebnis wird auch Einfluss darauf haben, wie sich Ungarn künftig zu EU-Politik, Korruptionsreformen und der Energiedependenz von Russland positioniert.






