Thyssenkrupp-Aktie stürzt um 44 Prozent – was steckt hinter dem Absturz?
Amelie KrügerThyssenkrupp-Aktie stürzt um 44 Prozent – was steckt hinter dem Absturz?
Thyssenkrupp-Aktie auf 52-Wochen-Tief: Minus 44 Prozent seit Oktober
Der Aktienkurs von Thyssenkrupp ist auf ein 52-Wochen-Tief von 7,46 Euro gefallen – ein drastischer Rückgang um fast 44 Prozent seit Oktober. Der Industriekonzern steht unter wachsendem Druck durch explodierende Ölpreise, steigende Produktionskosten und eine Reihe finanzieller Rückschläge. Anleger mussten mitansehen, wie die Aktie allein in den letzten 30 Tagen um etwa 31 Prozent einbrach.
Die Probleme des Unternehmens begannen, nachdem der Kurs im Oktober 2025 mit 13,24 Euro seinen Höchststand erreicht hatte. Bis März 2026 fiel die Aktie auf ein Niveau zwischen 8,30 und 9,56 Euro – ein Verlust von 30 bis 37 Prozent. Die Talfahrt verschärfte sich nach einer Gewinnwarnung und einer Herabstufung der Prognose bei Thyssenkrupp Nucera sowie nach gescheiterten Verhandlungen über den Verkauf von Jindal Steel Europe.
Ein schwerer Schlag folgte, als der Großinvestor Amundi seinen Anteil unter fünf Prozent reduzierte – daraufhin stürzte der Kurs an einem einzigen Tag um zehn Prozent ab. Zudem meldete das Unternehmen für das erste Quartal einen Nettoverlust von 334 Millionen Euro, vor allem bedingt durch 401 Millionen Euro an Restrukturierungskosten bei Steel Europe. Die globale Stahl-Überkapazität – geschätzt auf 640 Millionen Tonnen – und das Auslaufen der EU-Schutzmaßnahmen verschärften die Lage zusätzlich.
Gleichzeitig sind die Ölpreise stark angestiegen: Brent-Kontrakte erreichten 113 US-Dollar pro Barrel, OPEC-Öl kletterte auf 143 Dollar. Dieser Preisschub trieb die Produktionskosten in die Höhe und zwang Thyssenkrupp zu Einschnitten am französischen Standort. Die Regierung bereitet nun ein Entlastungspaket für Spritpreise vor und erwägt, Teile der staatlichen Ölreserven freizugeben, um die Spannungen zu mildern.
Trotz der allgemeinen Krise verzeichnete Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) nach dem Börsengang starke Ergebnisse und erzielte ein bereinigtes EBIT von 211 Millionen Euro. Doch Analysten warnen: Solange die Ölpreise nicht sinken und der Importdruck nicht nachlässt, bleibt die Aktie unter massivem Abwärtsdruck.
Bundeskanzler Friedrich Merz stellte zudem den gesetzlich festgelegten Kohleausstieg bis 2038 infrage – was zusätzliche Unsicherheit für die Energie- und Industriebranche bedeutet.
Die Thyssenkrupp-Aktie notiert derzeit auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahr, ohne Anzeichen einer baldigen Erholung. Die Kombination aus hohen Ölpreisen, schwacher Stahlnachfrage und finanziellen Verlusten hat das Unternehmen in eine prekäre Lage gebracht. Ohne Entlastung bei den Energiekosten oder eine Wende in den Kerngeschäften drohen weitere Kursrückgänge.






