Wie der Knurrhahn und Seemannslieder Deutschlands maritime Seele bewahren
Lukas FrankeWie der Knurrhahn und Seemannslieder Deutschlands maritime Seele bewahren
Das Meer prägt seit jeher Musik und Kultur an Deutschlands Nordküste – von den tiefen Bassgrunzlern der Seemannschöre bis hin zur emotionalen Anziehungskraft der Seemannslieder. Die maritimen Traditionen leben in Liedern und Filmen weiter. Eines der bleibendsten Symbole ist der Knurrhahn: eine knurrende Bassstimme, die das Grunzen eines Fisches imitiert und im 19. Jahrhundert in den Shanty-Chören zwischen Cuxhaven und Hamburg entstand.
Die Knurrhahn-Tradition entstand in Küstenstädten wie Cuxhaven und im Elbgebiet. Lotsen und Seeleute gründeten Chöre, um ihre Arbeitslieder am Leben zu halten, und schufen dabei einen einzigartigen Klang mit tiefen, dröhnenden Basslinien. Ensembles wie der Elbphilharmonie Shanty-Chor Hamburg oder der Cuxhavener Shanty-Chor führen diese Lieder noch heute auf.
Für viele wurden Seemannslieder zu mehr als nur Musik. Michael Krieg, der in der Nähe der Kieler Howaldtswerke-Werft aufwuchs, war von Kindheit an von den Klängen der Seefahrt umgeben. Seine Faszination vertiefte sich, als er einem Kirchenchor beitrat, in dem ein bassstarker Sänger auch beim Lotsen-Gesangverein, einem Pilotenchor, mitwirkte. Zu Hause hörte seine Familie Künstler wie Freddy Quinn, Lale Andersen und Hans Albers – Ikonen der deutschen Seemusik.
Hans Albers, genannt der "blonde Hans", war Schauspieler und Sänger zugleich und machte die Shantys einem breiten Publikum bekannt. Sein Film Große Freiheit Nr. 7 aus dem Jahr 1944 erzählt die Geschichte von Hannes Kröger, einem Seemann, der zwischen seiner Liebe zu der jungen Frau La Paloma und seiner Sehnsucht nach dem Meer zerrissen ist. Enttäuscht vom Leben in St. Pauli verlässt Kröger am Ende das Schiff Padua, das letzte große Segelschiff der Hamburger Flying P-Liner. Heute bekannt als russisches Schulschiff Krusenstern, ist es die einzige erhaltene Viermastbark aus jener Zeit.
Der Knurrhahn und die Seemannslieder hallen bis heute als Echo des maritimen Erbes Deutschlands nach. Lieder und Filme wie Große Freiheit Nr. 7 halten die Verbindung zwischen Musik und Meer lebendig. Für diejenigen, die in der Nähe von Werften oder in Küstenstädten aufgewachsen sind, bleiben diese Traditionen eine kraftvolle Erinnerung an ein vom Ozean geprägtes Leben.






