Apotheken kämpfen mit Verlusten trotz boomender Nachfrage nach pDL-Leistungen
Amelie KrügerApotheken kämpfen mit Verlusten trotz boomender Nachfrage nach pDL-Leistungen
Deutsche Apotheken kämpfen mit der wirtschaftlichen Tragfähigkeit vergüteter pharmazeutischer Dienstleistungen (pDL) – trotz steigender Nachfrage. Eine aktuelle Studie von Professorin Kaapke Projekte zeigt, dass zwar 78 Prozent der Apotheken mindestens eine pDL-Leistung anbieten, viele davon aber Verluste machen – bedingt durch niedrige Vergütungssätze und hohe Betriebskosten. Die Forderungen nach einer Reform werden lauter, da ungenutzte Mittel und bürokratische Hürden die Zukunft des Programms gefährden.
Seit der Einführung der pDL im Jahr 2012 ist die Inanspruchnahme von 1,5 Millionen auf über 20 Millionen Leistungen im Jahr 2024 gestiegen. Besonders gefragt sind Schulungen zur Arzneimitteltherapie (40 Prozent), die Überprüfung von Medikationsplänen (25 Prozent) sowie Beratungen zur Selbstmedikation (20 Prozent). Am häufigsten werden jedoch Anleitungen zur Inhalationstechnik und entsprechende Beratungen angeboten.
Doch die Rentabilität bleibt ein zentrales Problem: Mehr als die Hälfte der Apotheken schreibt bei Bluthochdruck-Risikochecks rote Zahlen – pro Untersuchung werden lediglich 11,20 Euro netto erstattet. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) warnt, dass die aktuellen Vergütungssätze auf Dauer nicht tragbar seien und die flächendeckende Verfügbarkeit dieser Leistungen gefährdet sei.
Die Studie verweist zudem auf 537 Millionen Euro ungenutzte pDL-Mittel, die vor allem auf die geringe Inanspruchnahme zurückzuführen sind. Experten raten davon ab, diese Gelder in den allgemeinen Apothekenhaushalt umzuschichten, da dies das pDL-System schwächen könnte. Weitere Herausforderungen wie Personalmangel, hoher Dokumentationsaufwand, Platzengpässe und Spannungen zwischen den Berufsgruppen belasten die Apotheken zusätzlich und erschweren die effiziente Erbringung der Leistungen.
Die Freie Apothekerschaft (FA) anerkennt zwar die fachliche Kompetenz der Apotheken, betont aber, dass die Vergütung oft nicht kostendeckend sei. Die Politik steht nun unter Druck, die pDL-Honorare anzupassen, um die wirtschaftliche Machbarkeit zu sichern.
Die Studie macht eine kritische Lücke zwischen der Nachfrage nach pDL-Leistungen und ihrer finanziellen Nachhaltigkeit deutlich. Ohne Reformen könnten Apotheken ihr Angebot zurückfahren – zum Nachteil der Patient:innen, die dann schlechteren Zugang zu wichtigen Versorgungsleistungen hätten. Anpassungen bei der Vergütung und den administrativen Abläufen sind notwendig, um die Zukunft des Programms zu sichern.