Bachmann-Preis 2024: Frauenjury, scharfe Texte und ein Eklat um Slata Roschal
Amelie KrügerBachmann-Preis 2024: Frauenjury, scharfe Texte und ein Eklat um Slata Roschal
Der diesjährige Bachmann-Preis-Wettbewerb fand unter strahlendem Sommerhimmel statt und bot wieder eine Plattform für literarische Höheneinflüge und kontroverse Diskussionen. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die prämierten Texte, sondern auch die ungewöhnliche Zusammensetzung der Jury, die erstmals ausschließlich aus Frauen bestand. Den Hauptpreis sowie den Publikumspreis sicherte sich Schaette für ihren Text Was wir tragen. Die Jury lobte insbesondere die tiefe Auseinandersetzung mit dem Motiv des Flecks, das als Symbol für prekäre Lebensumstände gedeutet wurde.
Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis ausgezeichnet, wobei ihr sprachlicher Scharfblick und die eindringliche Darstellung eines ‚Ostblock-Mädchens‘ überzeugten. Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für seine Erzählung Vater ohne Sohn, die mit emotionaler Tiefe und gesellschaftlicher Relevanz punktete. Magdalena Schrefel gewann den 3sat-Preis für ihren Text Kirschen, Herz in der Schlinge.
Slata Roschal sorgte indes für Aufsehen, als sie eine schonungslose Abrechnung mit dem Literaturbetrieb vorlegte. Zudem verweigerte sie die traditionelle Auseinandersetzung mit der Jury, was die Debatten um den Wettbewerb zusätzlich anheizte. Ein literarischer Bezugspunkt wurde mit Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan hergestellt, in dem Gott den Allmächtigen symbolisch auf die Anklagebank gesetzt wurde. Der Bachmann-Preis-Wettbewerb zeigte sich auch in diesem Jahr als Ort der literarischen Vielfalt und gesellschaftlichen Reflexion. Die Preisträgerinnen und Preisträger überzeugten mit ihren Texten, während die Diskussionen um Jury und Autor:innen die Dynamik des Wettbewerbs unterstrichen.
