Berlin kämpft mit maroder Infrastruktur und eskalierender Bandengewalt
Amelie KrügerBerlin ohne Rolltreppen - Was in der Hauptstadt noch läuft? - Berlin kämpft mit maroder Infrastruktur und eskalierender Bandengewalt
Berlin steht vor einer Reihe anhaltender Herausforderungen – von maroder Infrastruktur bis hin zu steigender Kriminalität. In den letzten Monaten häufen sich Verkehrsbehinderungen, vernachlässigte öffentliche Räume und eine eskalierende Bandengewalt. Die Behörden geraten zunehmend unter Druck, während Anwohner und Pendler mit den Folgen zu kämpfen haben.
Ein erst kürzlich eröffnetes, drei Kilometer langes Teilstück der Stadtautobahn A100, dessen Bau zwölf Jahre dauerte, sorgt bereits für massive Staus. Verzögerungen halten an, da Reparaturen durch fehlende Ersatzteile blockiert werden – ein Fertigstellungstermin steht noch nicht fest.
Auch die Gehwege in der Stadt sind nach dem Winter weiterhin gefährlich. Fußgänger hatten wochenlang mit vereisten Bürgersteigen zu kämpfen, weil der Winterdienst mangelhaft arbeitete. Noch immer liegen an vielen Stellen Streugutreste herum, und die Reinigungstrupps rechnen erst Mitte April mit einer vollständigen Beseitigung.
Der Berliner Hauptbahnhof sorgt ebenfalls für Frust. Fast zwei Drittel der 52 Rolltreppen sind seit fast einem Monat defekt. Pendler müssen zwischen Fernbahnsteigen und der S-Bahn 147 Stufen bewältigen – eine zusätzliche Belastung im täglichen Berufsverkehr.
Immerhin gibt es beim illegalen Müllablagern leichte Fortschritte. Seit die Bußgelder im November 2023 erhöht wurden, gingen die gemeldeten Fälle um 20 bis 30 Prozent zurück. Die offiziellen Zahlen zeigen einen Rückgang von 12.500 Vorfällen im Jahr 2023 auf etwa 9.000 im Jahr 2025. Dennoch bleibt das Müllproblem im Vergleich zu anderen Großstädten ein Dauerbrenner.
Besorgniserregend ist zudem die zunehmende Gewalt im Zuge eines Bandenkriegs, der mit der türkischen Organisierten Kriminalität in Verbindung steht. Als Reaktion hat das Landeskriminalamt Berlin die Sondereinheit Ferrum ins Leben gerufen, um die Gewaltwelle einzudämmen.
Auch politisch hat der regierende Bürgermeister Kai Wegner Federn lassen müssen. Sein Ansehen litt unter dem Tennis-Gate-Skandal, bei dem er während eines stadtweiten Stromausfalls Tennis spielte.
Die Stadt sieht sich nun mit einem Mix ungelöster Probleme konfrontiert – von defekter Infrastruktur bis hin zu steigender Kriminalität. Die Behörden arbeiten an Lösungen, doch Verzögerungen und anhaltende Missstände belasten weiterhin den Alltag. Sowohl Bürger als auch Verantwortliche beobachten gespannt, ob sich die Lage bald bessert.