13 March 2026, 16:07

Buchhandlungspreis: Streit um Zensur und künstlerische Freiheit eskaliert

Ein Plakat mit einem aufgeschlagenen Buch und einer goldenen Krone darauf, mit der Aufschrift "Internationale Buchkunst Ausstellung Leipzig 1927".

"Deutschland, bitte verrecke" - Bremer Buchhandlung in der Kritik - Buchhandlungspreis: Streit um Zensur und künstlerische Freiheit eskaliert

Ein Streit um die künstlerische Freiheit ist entbrannt, nachdem drei Buchhandlungen – darunter der Bremer Goldene Laden – von der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises ausgeschlossen wurden. Kulturminister Wolfram Weimer strich sie von der Shortlist, mit der Begründung, ihre politische Haltung berge ein verfassungsrechtliches Risiko. Die Entscheidung löste Proteste aus und führte zu Forderungen nach Weimers Rücktritt.

Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die Fassade des Goldenen Ladens, auf der der Spruch "Deutschland verrecke bitte" (Deutschland, bitte gehe zugrunde) prangt – ein direktes Zitat der Punkband Slime aus den 1980er-Jahren, die für ihre systemkritischen Texte bekannt ist. Die Anwältin der Buchhandlung, Lea Voigt, verwies auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1996, das den Songtext als künstlerischen Ausdruck schützte. Das Gericht hatte damals Parallelen zu Heinrich Heines satirischem Gedicht "Deutschland. Ein Wintermärchen" gezogen und argumentiert, das Lied kritisiere rechtsextreme Tendenzen, statt Hass zu schüren.

Die Fassade ist Teil eines Kunstprojekts, das Zitate aus Literatur, Musik und Film zeigt – darunter auch Heines "Die schlesischen Weber". Trotzdem verteidigte Weimer seine Entscheidung mit den Worten, der Preis dürfe "nicht an Staatsfeinde" gehen. Seine Vorgehensweise löste eine Welle der Empörung aus; Kritiker werfen ihm Zensur und einen Angriff auf die Meinungsfreiheit vor.

Angesichts des Aufruhrs sagte Weimer die Preisverleihung ab. Die ausgezeichneten Buchhandlungen erhalten ihr Preisgeld und die Urkunden nun per Post.

Die Auseinandersetzung hat den Buchhandlungspreis in eine Krise gestürzt. Weimers Ausschluss der Läden befeuert die Debatte, wo die künstlerische Freiheit endet und staatliche Einmischung beginnt. Vorerst markiert die abgesagte Veranstaltung ein abruptes Ende der diesjährigen Preisvergabe.

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