"Debritz" am Badischen Staatstheater: Ein Dorf zwischen Absurdität und Untergang
Amelie Krüger"Debritz" am Badischen Staatstheater: Ein Dorf zwischen Absurdität und Untergang
Kaleb Erdmanns neues Stück feiert Premiere am Badischen Staatstheater Karlsruhe
Unter der Regie von Brit Bartkowiak setzt die Inszenierung auf eine mutige Mischung aus Comic- und Pop-Ästhetik, um ernsthafte Themen zu erkunden. Im Mittelpunkt steht das fiktive Dorf Debritz in Ostdeutschland – eine einst blühende Salzabbau-Gemeinde, die heute einer öden Einöde gleicht.
Debritz, einst ein lebendiger Standort der Salzgewinnung, leidet heute unter missratenen Ernten, dem Wegzug der Jugend, fehlender Industrie und ohne öffentlichen Nahverkehr. Das Dorf dient als Mikrokosmos für gesamtgesellschaftliche Probleme, insbesondere die Folgen des Klimawandels und die wachsende Kluft zwischen Stadt und Land in Deutschland.
Die Komik des Stücks entspringt skurrilen Figuren wie Barbarossa, einer unterirdisch lebenden Gestalt, oder Candy the Candle. Ihre absurden Verhaltensweisen und Auftritte verleihen der Handlung einen farcenhaften, slapstickartigen Ton. Lediglich Peggy, eine Zuckerrübenbäuerin, und ihr Freund Maik sind als voll ausgearbeitete Charaktere angelegt – während Peggy sehnlichst fliehen möchte, will Maik bleiben.
Trotz Schwächen in Handlung und Dialog überzeugte die Produktion durch ihre Energie und experimentelle Machart. Das Stück endet im Chaos, als Peggy und Maik die Siedlung in die Luft jagen. Zwei Gestalten in Schutzanzügen tauchen auf und deuten eine düstere Zukunft an – ein dringender Appell, sich mit den gegenwärtigen Problemen auseinanderzusetzen.
Das Stück thematisiert brennende Fragen wie Klimawandel und regionalen Niedergang, die auf deutschen Bühnen zuletzt seltener behandelt wurden. Die Mischung aus Absurdität und schwarzem Humor hinterlässt beim Publikum eine ernüchternde Warnung. Der Erfolg der Premiere unterstreicht das Ensemble-Talent, Komik mit ernsten Botschaften zu verbinden.
