Deutsche Industrie baut Tausende Stellen ab und verlagert Produktion ins Ausland
Greta WolfDeutsche Industrie baut Tausende Stellen ab und verlagert Produktion ins Ausland
Deutsche Industrie steht vor massiven Stellenabbau und Verlagerung ins Ausland
Die deutsche Industrie sieht sich mit erheblichen Stellenstreichungen und einer Verlagerung von Produktionsstandorten ins Ausland konfrontiert. Der Chemiekonzern Evonik plant, weitere 3.200 Arbeitsplätze abzubauen – vor allem in Deutschland. Dies ist Teil eines größeren Trends, bei dem Unternehmen aufgrund steigender Kosten und Handelshemmnisse zunehmend Produktion und Forschung ins Ausland verlagern.
Seit 2024 hat Evonik bereits rund 2.800 Stellen im Verwaltungsbereich gestrichen. Bis Ende des ersten Quartals 2026 gingen in der deutschen Industrie insgesamt 127.300 Arbeitsplätze verloren, was einem Rückgang von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Seit 2019 sind damit 341.500 Industriejobs verschwunden.
Hohe Lohnkosten in Deutschland – sie liegen 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt und sind mehr als doppelt so hoch wie in Asien oder Osteuropa – gelten als Hauptgrund für die Abwanderung. Zudem treiben übermäßige Bürokratie und teure Energie die Unternehmen ins Ausland. Viele entwickeln neue Produkte mittlerweile direkt in China, um lokale Märkte besser zu bedienen. Fast die Hälfte der Firmen plant, künftig mehr Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ins Ausland zu verlagern.
Nahezu jedes befragte Industrieunternehmen strebt bis 2030 eine Ausweitung seiner Präsenz in Indien an. Allerdings wird dieses Wachstum nur moderate Beschäftigungseffekte mit sich bringen: Bei einem durchschnittlichen Umsatzplus von 4 Prozent wollen lediglich 16 Prozent der Unternehmen in Deutschland neue Arbeitskräfte einstellen. Stattdessen setzen sie auf Expansion in Indien, China, Nordamerika, dem Nahen Osten und Afrika.
Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets bis 2030 fließen zwar weiterhin nach Deutschland, doch vor allem in die Instandhaltung bestehender Standorte und Automatisierung. Neue Produktionskapazitäten und Arbeitsplätze entstehen zunehmend in ausländischen Märkten. Lieferkettenstörungen, steigende Zölle und Handelsbarrieren zwingen die Unternehmen, vor Ort zu produzieren, statt sich auf Exporte zu verlassen. Deutsche Firmen bauen daher global verteilte Produktionsnetzwerke auf, behalten aber Hauptsitze und Kernfunktionen im Inland.
Die Entwicklung bedeutet weniger Jobs in Deutschland und mehr Investitionen in Automatisierung sowie ausländische Standorte. Die Unternehmen passen sich den globalen Marktanforderungen an, halten jedoch zentrale Funktionen im Heimatland. Der Trend spiegelt den wachsenden wirtschaftlichen Druck und sich wandelnde Industriestrategien wider.
