Deutsche Wirtschaft bremst stark: Prognosen für 2026 und 2027 drastisch gesenkt
Amelie WeberDeutsche Wirtschaft bremst stark: Prognosen für 2026 und 2027 drastisch gesenkt
Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 drastisch nach unten korrigiert. Die Anpassung folgt auf einen starken Anstieg der Energiepreise, ausgelöst durch den Iran-Konflikt. Experten warnen nun vor einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden Jahren.
Ursprünglich hatten die Institute ein Wachstum von 1,3 % für 2026 und 1,4 % für 2027 vorhergesagt. Diese Werte wurden nun auf lediglich 0,6 % bzw. 0,9 % gesenkt. Timo Wollmershäuser, Leiter der Wirtschaftsforschung am Münchner ifo-Institut, machte für den Abschwung den Preisschock bei Energie verantwortlich, der durch den Krieg ausgelöst wurde.
Seit Beginn des Konflikts am 28. Februar 2026 sind die Preise für Brent-Rohöl um etwa 54 bis 57 % gestiegen und liegen mittlerweile bei über 113 US-Dollar pro Barrel. Auch die europäischen Gaspreise am TTF-Knotenpunkt haben um rund 60 bis 61 % zugelegt und erreichen etwa 50 Euro pro Megawattstunde. Die Blockade der Straße von Hormus – eine entscheidende Route für ein Fünftel der globalen Öl- und Flüssiggastransporte – hat die Versorgungsängste weiter verschärft. Bis zum achten Tag der Kämpfe könnten die täglichen Ölverluste 3,3 Millionen Barrel erreichen, was Raffinerien im Nahen Osten, in China und Indien zwingt, ihre Produktion zurückzufahren.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche forderte "mutige Reformen", um der verschlechterten Konjunktur zu begegnen. Die Ökonomen warnten unterdessen vor kurzfristigen staatlichen Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise. Stattdessen schlagen sie "zielgerichtete soziale Ausgleichsmaßnahmen" vor, um Haushalte zu entlasten, die mit den hohen Kosten zu kämpfen haben.
Auch die Inflation wird voraussichtlich auf hohem Niveau bleiben: Die Verbraucherpreise dürften 2026 um 2,8 % und 2027 um 2,9 % steigen. Die im Frühling veröffentlichte gemeinsame Konjunkturprognose von sechs führenden Forschungsinstituten aus Deutschland und Österreich wird als Grundlage für die eigenen Prognosen der Regierung dienen, die am 22. April erwartet werden.
Die überarbeiteten Vorhersagen unterstreichen die schweren Belastungen, die die explodierenden Energiepreise für die deutsche Wirtschaft mit sich bringen. Angesichts anhaltend hoher Inflation und nachlassenden Wachstums geraten die politischen Entscheidungsträger unter Druck, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Im anstehenden Wirtschaftsbericht der Regierung werden die nächsten Schritte dargelegt werden.






