12 March 2026, 20:12

Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig abrupt gestoppt – was nun?

Ein offenes deutsches Postbuch aus dem Jahr 1930 mit Text und Zahlen auf seinen Seiten vor einem schwarzen Hintergrund.

Kein Erweiterungsbau für die Deutsche Nationalbibliothek - Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig abrupt gestoppt – was nun?

Pläne für Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig gestoppt

Bundesbeauftragter für Kultur, Wolfram Weimer, hat die geplante Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig gestrichen. Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der die Bibliothek mit überfüllten Beständen und begrenztem Lagerraum kämpft. Rund sieben Millionen Euro waren bereits in die Planung des nun eingestellten Projekts geflossen.

Der Standort Leipzig der Deutschen Nationalbibliothek leidet unter akutem Platzmangel. Täglich gehen dort etwa 13.100 neue Werke ein – 3.300 in physischer Form und 9.800 digital. Da die Lagerkapazitäten nahezu erschöpft sind, werden Bücher nun in die zweite Niederlassung der Bibliothek nach Frankfurt verlegt.

Die verworfene Erweiterung sollte langfristig mehr Platz für die Archivierung von Büchern und Medien bieten. Zudem war eine Verbesserung der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit vorgesehen. Minister Weimer hat sich jedoch gegen eine Umsetzung entschieden und verweist auf hohe Kosten sowie alternative Lösungsansätze.

Stattdessen setzt sich Weimer für eine Reform des Pflichtexemplar-Systems ein. Bisher müssen Verlage zwei physische Exemplare jeder Veröffentlichung abliefern. Der Minister strebt eine Reduzierung auf ein Exemplar an – und wo möglich einen vollständigen Ersatz durch digitale Abgaben. Sein Ziel ist ein überwiegend digitales Archiv.

Die Bibliothek hat ihre digitalen Sammelrichtlinien bereits modernisiert. Seit 2022 sind elektronische Pflichtexemplare verpflichtend, darunter wissenschaftliche Publikationen und automatisierte Einreichungen über den ONIX-Datenaustausch. Seit 2024 kommen KI-gestützte Qualitätskontrollen zum Einsatz. Ähnliche Systeme gibt es in Frankreich, den Niederlanden, Schweden und Australien.

Die Absage des Erweiterungsprojekts hinterlässt die Bibliothek ohne geplante Lösung für ihre Lagerkrise. Die Verlegung von Beständen nach Frankfurt bietet nur vorübergehende Entlastung, während die langfristige Kapazität ungewiss bleibt. Zukünftige Änderungen beim Pflichtexemplar-System hängen von rechtlichen Reformen und weiteren Investitionen ab.

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