Jürgen Habermas stirbt mit 96 – das Ende einer Ära des demokratischen Denkens
Greta WolfKretschmer: Habermas war 'wichtigste Denker unserer Zeit' - Jürgen Habermas stirbt mit 96 – das Ende einer Ära des demokratischen Denkens
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat dem verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas die letzte Ehre erwiesen, der am Samstag im Alter von 96 Jahren starb. Habermas, der als prägende Stimme des demokratischen Diskurses galt, formte mit seinem Werk jahrzehntelang das politische Denken in Deutschland und darüber hinaus.
Der Philosoph verstarb in Starnberg und hinterlässt ein Erbe intellektueller Einflussnahme. Seine Ideen spielten eine zentrale Rolle in zentralen deutschen Debatten – vom Positivismusstreit der 1960er-Jahre bis zum Historikerstreit 1986/87. In den späten 1980er-Jahren setzte er sich für den Verfassungspatriotismus ein, eine Haltung, die verfassungsmäßige Werte über Nationalismus stellt – besonders nach der Wiedervereinigung. In den 1990er-Jahren lehnte er restriktive Asylgesetze ab und engagierte sich stattdessen für die europäische Integration und demokratische Solidarität.
Michael Kretschmer würdigte Habermas' lebenslanges Engagement für offene Debatten und eine lebendige Öffentlichkeit. Der Ministerpräsident bezeichnete seine Beiträge als von zentraler Bedeutung und betonte, wie sehr sie die Demokratie gestärkt hätten. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gehörte zu den Stimmen, die Habermas' Rolle bei der Überwindung des Nationalismus und der Förderung der europäischen Einheit hervorhoben.
Mit Habermas' Tod endet eine Ära der politischen Philosophie in Deutschland. Seine Gedanken zu Demokratie, gesellschaftlicher Teilhabe und Verfassungspatriotismus werden jedoch weiterhin Debatten prägen. Politiker und Wissenschaftler erkennen gleichermaßen seinen nachhaltigen Einfluss auf die Gestaltung des modernen demokratischen Denkens an.