Kampf um López Velardes Poetenhaus: Kulturerbe oder politischer Machtmissbrauch?
Greta WolfKampf um López Velardes Poetenhaus: Kulturerbe oder politischer Machtmissbrauch?
Streit um die Zukunft des Poetenhauses von Ramón López Velarde spitzt sich in Mexiko-Stadt zu
Schriftsteller:innen und Wissenschaftler:innen werfen den Behörden vor, das literarische Erbe des Hauses zu vernachlässigen, während offizielle Stellen beteuern, das poetische Vermächtnis der Stätte werde bewahrt bleiben.
Im Mittelpunkt des Konflikts steht die jüngste Umwandlung des Ortes in das Haus der Worte – ein Schritt, den Kritiker:innen als eine Verwässerung seines ursprünglichen Zwecks brandmarken.
Am vergangenen Donnerstag, dem 4. Juni, eröffnete Ana Francis Mor das neu benannte Haus der Worte. Bei der Einweihung wurde mit keinem Wort die einst zum ursprünglichen Poetenhaus gehörenden Bibliotheken zu Ehren von Salvador Novo und Efraín Huerta erwähnt.
Die Dichterin María Rivera verurteilte die Veränderungen scharf und nannte die Umgestaltung einen „Angriff auf López Velardes Erbe“. Sie warf der linksgerichteten Regierung und den Verantwortlichen vor, eine der bedeutendsten Poesie-Stätten Mexikos demontiert zu haben. Die Literaturwissenschaftlerin Rivera wies später auch die Behauptung zurück, der Schaden sei rückgängig gemacht worden. Stattdessen argumentierte sie, der Berater Alfonso Suárez del Real versuche lediglich, die öffentliche Empörung einzudämmen – statt den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.
Suárez del Real, ein enger Vertrauter von Präsidentin Claudia Sheinbaum, betonte hingegen, dass Name und poetische Widmung des Poetenhauses erhalten blieben. Bislang haben jedoch weder die Stadtregierung von Mexiko-Stadt noch das lokale Kultursekretariat eine offizielle Stellungnahme zu dem Vorfall veröffentlicht.
Unterdessen läuft seit Sonntagabend eine Change.org-Petition, die die Aussetzung des Projekts fordert. Die Unterzeichner:innen argumentieren, die Änderungen spiegelten ein größeres Problem von Enteignung und Autoritarismus wider – ohne Rücksicht auf die kulturelle Bedeutung López Velardes.
Die Kontroverse lässt das Poetenhaus in einer ungewissen Zukunft zurück, ohne dass eine offizielle Lösung in Sicht wäre. Während die Behörden versichern, der literarische Fokus des Ortes bleibe bestehen, sind Kritiker:innen überzeugt, dass der Schaden für seine Identität bereits angerichtet ist. Unklar bleibt zudem das Schicksal der Novo- und Huerta-Bibliotheken sowie die künftige Rolle der Einrichtung.






