Künstler entlarvt blinden Gehorsam mit faschistischer Propaganda-Attrappe in Russland
Amelie KrügerKünstler entlarvt blinden Gehorsam mit faschistischer Propaganda-Attrappe in Russland
Ein belarussischer Künstler hat in der russischen Region Krasnodar einen aufwendigen Scherz inszeniert, indem er sich als Funktionär der Einigen Russland ausgab. Uladzislau Bohan schickte Lehrkräften eine Präsentation, die einen "Kult der Stärke" propagierte – eine klare Anlehnung an faschistische Ideologie –, getarnt als offizielles Parteimaterial. Die Aktion war Teil seines laufenden Projekts Triumph des Mottenfalters, das autoritäre Systeme durch provokative Kunst herausfordert.
Bohan gestaltete die Präsentation im Stil nationalsozialistischer Propaganda, inklusive stilisierter Plakate mit Anhängern des aktuellen Regimes. Die zentrale Botschaft lautete, nur durch Verachtung für Schwäche könne Russland eine dauerhafte Nation aufbauen – eine Aussage, die Umberto Ecos zehntes Merkmal des Faschismus aufgriff: "Verachtung für die Schwachen".
Die gefälschten Unterlagen wurden an 22 Schulen in der Region verteilt. Lehrkräfte setzten sich mit den Inhalten auseinander, hielten Videokonferenzen und pädagogische Sitzungen ab, um die Thesen zu diskutieren. Niemand hinterfragte deren Echtheit oder ideologische Extremität.
Nach der Aktion erhielt Bohan von den beteiligten Schulen 22 detaillierte Berichte – eine Rekordresonanz. Später enthüllte er, dass die blinde Unterwerfung unter vermeintliche Autorität den Betrug erst ermöglicht hatte. Das Projekt zeigte, wie leicht faschistische Rhetorik als offizielle Anweisung normalisiert werden kann.
Der Streich deckte die Gefahren unkritischen Gehorsams innerhalb institutioneller Hierarchien auf. Schulen in der Region Krasnodar unterstützten unwissentlich faschistoide Botschaften, da sie diese für legitime Parteivorgaben hielten. Mit Triumph des Mottenfalters setzt Bohan seine subversiven Interventionen fort, um autoritäre Strukturen zu hinterfragen.






