Künstler Joey Skaggs täuscht Medien seit 38 Jahren mit fiktivem Aprilscherz-Umzug
Amelie KrügerKünstler Joey Skaggs täuscht Medien seit 38 Jahren mit fiktivem Aprilscherz-Umzug
Seit mehr als drei Jahrzehnten narrt der Künstler Joey Skaggs die New Yorker Medien mit einem jährlichen Aprilscherz-Umzug, der in Wahrheit gar nicht stattfindet. Der ausgeklügelte Scherz, der seit 1986 inszeniert wird, lockt Reporter und sogar Marschkapellen an die Fifth Avenue – nur um festzustellen, dass dort nichts passiert. Skaggs nutzt die Aktion, um die Leichtgläubigkeit der Medien bloßzustellen und mit beißender Satire politische Statements zu setzen.
Der diesjährige fiktive Umzug präsentierte einen Präsidial-Darsteller, die Vorführung einer "Melania-Mockumentary" und eine Lesung der geschwärzten Namen aus den Jeffrey-Epstein-Akten. Die Pressemitteilung versprach eine Feier des "Rechts der Öffentlichkeit, Macht mit Gelächter zu begegnen" – ganz in Skaggs' Tradition, Kunst mit gesellschaftskritischem Spott zu verbinden.
Monatelang bereitet Skaggs jeden Streich vor, sammelt Zeitungsausschnitte, um überzeugende Pressetexte zu verfassen. Sein Ziel: Journalisten dazu zu bringen, über ein nicht existierendes Ereignis zu berichten und die Medien selbst zur Leinwand seiner Kunst zu machen. Im Laufe der Jahre sind Reporter und Schulbands mit der Erwartung eines Spektakels erschienen – nur um zu merken, dass sie Teil des Scherzes waren.
Frühere Umzüge umfassten einen Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb und eine Y2K-thematische "Weltuntergangs"-Party. Jedes Jahr spiegeln die Motive aktuelle Ereignisse wider und nutzen Humor, um Autoritäten und die Glaubwürdigkeit der Medien herauszufordern. Skaggs dokumentiert seine Streiche auf seiner Website, Instagram und Twitter und sorgt so dafür, dass die Satire weit über den 1. April hinaus nachwirkt.
Die Tradition von Medien-Aprilscherzen ist nicht neu. 1985 täuschte Sports Illustrated seine Leser mit einer Geschichte über Hayden "Sidd" Finch, einen erfundenen Mets-Pitcher, der angeblich einen unmöglichen 270 km/h schnellen Fastball warf. Skaggs' Umzug führt dieses Erbe fort und beweist, dass selbst im digitalen Zeitalter eine gut gemachte Fälschung die Presse noch austricksen kann.
Der Umzug bleibt eine jährliche Mahnung, wie leicht Fiktion für Fakt gehalten werden kann. Skaggs' Werk zwingt Medien und Öffentlichkeit gleichermaßen, das, was sie für wahr halten, zu hinterfragen. Ohne reales Ereignis, aber mit reichlich Schlagzeilen, enthüllt der Scherz weiterhin die dünne Grenze zwischen Satire und Wirklichkeit.






