Männlichkeit im Wandel: Warum junge Männer heute zwischen AfD und Feminismus stehen
Amelie WeberMännlichkeit im Wandel: Warum junge Männer heute zwischen AfD und Feminismus stehen
Die Debatte um Männlichkeit und politische Haltung gewinnt in Deutschland an Fahrt. Während vor zwanzig Jahren Fußballtorwart Tim Wiese noch ohne größere Kritik pinkfarbene Kleidung trug, zeigt sich heute ein gespaltenes Bild: Junge Männer wählen mehrheitlich die AfD, junge Frauen dagegen linksliberale Parteien. Aktuell rückt Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, das Thema mit klaren Forderungen in den Fokus.
Die Diskussion wird dabei von gegensätzlichen Stimmen geprägt – von feministischen Appellen bis hin zu rechtsextremen Zuspitzungen. Schon 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker das Manifest „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“, das eine aktive Rolle von Männern in der Gleichstellungspolitik forderte. Felix Banaszak greift diese Linie nun auf und macht sie zu einem zentralen Thema. In einem Playboy-Interview rief er Männer dazu auf, ihre Privilegien zu hinterfragen und schädliches Verhalten zu bekämpfen. Seine Forderung, sich mit Feminismus auseinanderzusetzen, fällt in eine Zeit, in der die Gesellschaft zunehmend polarisiert ist.
Banaszaks Versuche, junge Männer für Geschlechterrollen zu sensibilisieren, stoßen auf gemischte Reaktionen. Während einige seine Ansätze unterstützen, lehnen andere sie vehement ab. Gleichzeitig nutzt die AfD die Verunsicherung vieler Männer für sich: Der Politiker Maximilian Krah riet kürzlich jungen Männern mit Dating-Problemen, sich „auf die richtige Seite“ zu schlagen – eine Aussage, die als gezielte Ansprache einer entfremdeten Zielgruppe gewertet wird.
Dass rechtsextreme Botschaften bei dieser Gruppe Anklang finden, zeigt auch das Wahlergebnis der letzten Bundestagswahl. Junge Männer stimmten mehrheitlich für die AfD, während junge Frauen sich für linksliberale Parteien entschieden. Der Kontrast zu früheren Zeiten, als etwa Tim Wiese als Torwart ohne größere Angriffe auf seine Männlichkeit Pink trug, könnte kaum größer sein. Die aktuelle Debatte um Männlichkeit offenbart tiefe Gräben in der Gesellschaft. Während progressive Stimmen wie Banaszak eine kritische Reflexion über Rollenbilder fordern, nutzen rechtspopulistische Kräfte die Unsicherheiten vieler Männer für ihre Zwecke. Wie sich diese Spannungen entwickeln, wird nicht nur die politische Landschaft, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt prägen.
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