16 March 2026, 00:43

Milo Rau inszeniert ein spektakuläres Gerichtsverfahren gegen Deutschland am Thalia Theater

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert ein spektakuläres Gerichtsverfahren gegen Deutschland am Thalia Theater

Die diesjährigen Hamburger Lessing-Tage enden mit einem gewagten und umstrittenen Höhepunkt: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland. Die theatrale Scheinverhandlung setzt sich mit der Frage auseinander, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte.

Das 2010 vom ehemaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründete Festival steht seit jeher für provokantes Programm. Die diesjährige Ausgabe wird von Matthias Lilienthal kuratiert, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Unter seiner Ägide rückt das Festival politisch aufgeladene Performances in den Fokus.

Raus Ansatz verbindet Theater mit realer juristischer Debatte: Statt Schauspielerinnen führen Expertinnen und Jurist*innen das Verfahren. Den Vorsitz übernimmt Herta Däubler-Gmelin, Deutschlands ehemalige Bundesjustizministerin. Die Verhandlung wird als Livestream auf der Website des Thalia Theaters übertragen.

Raus frühere Arbeiten sorgten mit ihrer Mischung aus Dokumentation und Performance für Aufsehen: Der Kongo-Tribunal (2015) setzte sich mit Kriegsverbrechen in Kinshasa auseinander, Die Moskauer Prozesse (2013) rekonstruierten Stalins Säuberungen. Sein Stück Brecht My Life & Work (2023) zog internationale Aufmerksamkeit auf sich, indem es brechtsche Techniken mit realen Interventionen verband. Das aktuelle Projekt führt seine Tradition des konfrontativen, postdramatischen Theaters fort.

Das Gerichtsverfahren gegen Deutschland bildet einen markanten Schluss der diesjährigen Lessing-Tage. Indem Rau die AfD-Debatte als theatralen Prozess inszeniert, verwischt er die Grenzen zwischen Kunst und Aktivismus. Der Livestream macht die Veranstaltung weltweit zugänglich – und sorgt so für eine breite Auseinandersetzung mit diesem brisanten Thema.

AKTUALISIERUNG

Jury Verurteilt in Theatralem Prozess über AfD-Verbot

Das dreitägige Gerichtsverfahren gegen Deutschland endete mit einer knappen Mehrheit, die eine Überprüfung eines AfD-Verbots forderte, jedoch keine ausdrückliche Verbotsanordnung erging. Wichtige Erkenntnisse waren:

  • Keine Mehrheit unterstützte die Regulierung der sozialen Medien für Minderjährige unter 16 Jahren.
  • Die Juroren diskutierten, ob die AfD Gewalt verherrlicht, kamen jedoch zu keinem Konsens.
  • Die einleitenden Bemerkungen von Milo Rau fragten nach der 'alternativen' der Partei und der verfassungsmäßigen Schwelle für Verbote.