Ostdeutsche Chemieindustrie kämpft um ihr Überleben in der dritten Krise
Lukas FrankeOstdeutsche Chemieindustrie kämpft um ihr Überleben in der dritten Krise
Die chemische Industrie in Ostdeutschland steckt im dritten Jahr in Folge tief in der Krise. Hohe Kosten, strengere Vorschriften und harter globaler Wettbewerb haben die Produktion um etwa drei Prozent sinken lassen. Die Fabriken laufen derzeit nur noch mit durchschnittlich 72 Prozent ihrer Kapazität – viele Unternehmen kämpfen ums Überleben.
Der Gesamtumsatz der chemischen und pharmazeutischen Branche in der Region belief sich 2025 auf rund 28,5 Milliarden Euro. Das leichte Wachstum von 0,5 Prozent ging allein auf das Konto der Pharmasparte zurück, während die traditionelle chemische Produktion weiter schrumpfte. Die Branche beschäftigt zwar noch etwa 63.000 Menschen, doch die Stellenstreichungen in der Chemie nehmen zu, während die Beschäftigung in der Pharmazie stabil bleibt.
Auch die Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen hat zugenommen: Fast zwei Drittel der essenziellen chemischen Grundstoffe werden mittlerweile aus Asien importiert. Geopolitische Spannungen, darunter die Konflikte im Nahen Osten, machen die Lieferketten zusätzlich instabil.
Ein Lichtblick in der ansonsten düsteren Lage ist die mögliche Rettung der Domo-Werke in Leuna. Der Standortbetreiber InfraLeuna und Leuna-Harze haben sich bereit erklärt, zwei insolvente Tochtergesellschaften zu übernehmen – ein Rettungsanker für das angeschlagene Unternehmen. Branchenvertreter werten diesen Deal als ein dringend benötigtes positives Signal in einer sonst von Pessimismus geprägten Landschaft.
Trotz der Herausforderungen erwartet jedoch nur etwa jedes zehnte Unternehmen in absehbarer Zeit eine Besserung der Lage. Der Branchenverband verzichtet bewusst auf Prognosen für das kommende Jahr – ein Zeichen für die tiefe Verunsicherung über die Zukunft.
Die Krise hat die chemische Industrie Ostdeutschlands in einen prekären Zustand versetzt. Bei schwacher Nachfrage, hohen Kosten und starker Importabhängigkeit bleibt eine Erholung für die meisten Betriebe in weiter Ferne. Die Rettung von Domo mag kurzfristig Entlastung bringen, doch die grundlegenden Probleme der Branche zeigen keine Anzeichen einer Entspannung.






