01 May 2026, 11:02

Schweizer Pflegefirma schließt Generation Z von Bewerbungen aus – und löst Shitstorm aus

Ein Plakat mit der Aufschrift "Beende den Job: Gesundheit sollte ein Recht sein, nicht ein Privileg" und einer Karte mit der Aufschrift "Mache niedrigere Gesundheitskosten permanent und schließe die Lücke für amerikanische Familien."

Schweizer Pflegefirma schließt Generation Z von Bewerbungen aus – und löst Shitstorm aus

Schweizer Pflegeunternehmen löst mit diskriminierender Stellenausschreibung Empörung aus

Ein Schweizer Anbieter für ambulante Pflege hat für Aufsehen gesorgt, nachdem er in einer Stellenanzeige Bewerber:innen der Generation Z explizit ausgeschlossen hatte. In der Ausschreibung für eine Teamleitungsposition im Pflegebereich hieß es wortwörtlich, dass sich Angehörige der jüngeren Generation nicht bewerben bräuchten. Der Vorfall kommt angesichts anhaltender Debatten über generationenspezifische Unterschiede in Arbeitsmoral und Krankheitsständen.

Mittlerweile wurde die Anzeige geändert, doch der Fall hat die Diskussion über altersbasierte Vorurteile in Einstellungsverfahren neu entfacht.

Der Spitex-Dienst Fit for Care hatte die Stelle auf jobs.ch inseriert – gesucht wurde eine "Pflegeteamleiterin mit Herz und Verstand – keine Generation Z". Die Formulierung deutete zudem eine Abneigung gegen Mitarbeiter:innen mit einer "Montag/Freitag-Krankmeldungs-Mentalität" an, ein Schimpfwort für häufige Kurzzeiterkrankungen.

Das Unternehmen strich später die Hinweise auf die Generation Z sowie die Krankmeldungs-Bemerkung von seiner Website. Auf Nachfrage der NZZ am Sonntag wollte Spitex jedoch nicht erklären, warum eine gesamte Altersgruppe pauschal ausgeschlossen worden war.

Der Vorfall erinnert an frühere Kontroversen über Generationenklischees. So hatte der Graubündner Hotelier Ernst "Aschi" Wyrsch 2022 junge Arbeitnehmer:innen als "verweiblicht" bezeichnet und ihnen vorgeworfen, überempfindlich, schnell frustriert und anfällig für Krankheiten zu sein. Seine Äußerungen stießen damals auf breite Kritik.

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Tatsächlich zeigen Daten, dass jüngere Beschäftigte heute häufiger krankheitsbedingt fehlen als noch vor einigen Jahren. Laut dem Bundesamt für Statistik fallen Berufstätige Mitte 20 mittlerweile fast zwei Wochen pro Jahr wegen Krankheit aus – ein deutlicher Anstieg seit 2020. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vom März 2025 fand jedoch keine Belege dafür, dass die Generation Z weniger leistungsbereit ist als andere Altersgruppen.

Personalexpert:innen verweisen auf wachsende Spannungen zwischen den Generationen am Arbeitsplatz. Unterschiedliche Erwartungen an Flexibilität, Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance führen häufig zu Konflikten, wobei ältere Führungskräfte jüngere Mitarbeiter:innen mitunter als weniger engagiert wahrnehmen.

Die nachträgliche Änderung der Anzeige deutet darauf hin, dass Spitex seine Vorgehensweise überdacht haben könnte. Dennoch wirft der Fall ein Schlaglicht auf anhaltende Vorurteile in der Personalauswahl. Angesichts steigender Krankheitsquoten bei jüngeren Beschäftigten dürften die Debatten über generationenspezifische Arbeitshaltungen nicht abreißen. Die IAB-Studie jedoch widerlegt die Annahme, die Generation Z sei von Grund auf weniger fleißig als ihre Vorgänger:innen.

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