24 March 2026, 14:06

Skandal-Ballett Nurejew feiert in Berlin seine erste Nicht-Russland-Premiere nach jahrelanger Zensur

Plakat für eine Pariser Ballettvorstellung im Jahr 1909 mit dem Titel "Saison Russe", das eine gemalte Tänzerin in einer anmutigen Pose zeigt.

Skandal-Ballett Nurejew feiert in Berlin seine erste Nicht-Russland-Premiere nach jahrelanger Zensur

Das umstrittene Ballett Nurejew feiert in Berlin seine erste Nicht-Russland-Premiere – fast ein Jahrzehnt nach der turbulenten Uraufführung in Moskau. Ursprünglich von Regisseur Kirill Serebrennikow und Choreograf Juri Possochow geschaffen, sah sich die Produktion in Russland der Zensur ausgesetzt, bevor sie im Ausland als mutige Hommage an Rudolf Nurejews Leben und Vermächtnis gefeiert wurde.

Das Ballett zeichnet Nurejews Weg nach – von seinen Anfängen unter dem Lehrer Alexander Puschkin bis zu seiner spektakulären Flucht nach Frankreich. Mit aufwendigen Bühnenbildern, die Gegenstände aus seinem Leben einbeziehen, verbindet es persönliche und künstlerische Konflikte zu einer mitreißenden Erzählung. Allerdings vermag der zweite Akt die Dynamik des ersten nicht ganz zu halten, trotz kraftvoller Solodarbietungen und groß angelegter Ensembleszenen.

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Die für 2017 geplante Moskauer Premiere am Bolschoi-Theater fand nie wie vorgesehen statt. Serebrennikow, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Libretto verfasste und die Bühnenbilder entwarf, stand damals unter Hausarrest – angeklagt wegen Untreue. Seine spätere Verurteilung und das 2023 in Russland verhängte Aufführungsverbot des Balletts – begründet mit der "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen" – befeuerten seinen Ruf als skandalumwittertes Werk. Die Berliner Inszenierung von 2026 markiert nun die erste Aufführung außerhalb Russlands, wo Kritiker ihre emotionale Tiefe und Innovationskraft lobten.

Nurejew, 1938 geboren, starb 1993 in Paris an den Folgen von AIDS. Sein Nachlass wurde 1995 versteigert, doch sein Einfluss wirkt bis heute nach. Possochow, in der ukrainischen Stadt Luhansk geboren, arbeitet weiterhin international und bewegt sich trotz des anhaltenden Konflikts frei zwischen Russland und dem Westen.

Die Berliner Produktion von Nurejew kommt als gleichzeitige Huldigung und Herausforderung an die Zensur. Die Resonanz unterstreicht die anhaltende Faszination für den rebellischen Geist des Tänzers. Trotz ungleichmäßigen Tempos schmälert dies kaum die Wirkung dieser wegweisenden Inszenierung einer einst unterdrückten Geschichte.

Quelle