SPD-Skandal in Hannover: Ex-Politikerin Hülya Iri unter Verdacht der Gelderveruntreuung
Amelie WeberSPD-Skandal in Hannover: Ex-Politikerin Hülya Iri unter Verdacht der Gelderveruntreuung
In Hannover ist ein Skandal um Hülya Iri, die ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der hiesigen SPD, aufgeflammt. Im Mittelpunkt stehen Vorwürfe wegen des Missbrauchs öffentlicher Gelder über einen von ihr gegründeten Verein. Sowohl Iri als auch ihre Tochter Esma Bozdemir haben inzwischen ihre Ämter niedergelegt und ihre Parteimitgliedschaften ruhen lassen.
2018 hatte Iri den Verein Integrationsarbeit Kronsberg ins Leben gerufen. Bis 2023 sicherte dieser sich für das Projekt Respekt Café Kronsberg Fördermittel in Höhe von 924.479 Euro vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Doch bereits bis Juni desselben Jahres waren fast 740.000 Euro ausgegeben worden – ohne dass nachweisbare Ergebnisse vorlagen.
Iri und Bozdemir bezogen aus den Vereinsmitteln Gehälter in Höhe von mindestens 685.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob öffentliche Gelder für den Erwerb von Immobilien genutzt wurden, die mit Bozdemir in Verbindung stehen. Das Amtsgericht Hannover hat zudem ein Insolvenzverfahren gegen den Verein eingeleitet.
Doris Schröder-Köpf, die Ex-Frau des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder, hatte Iri zuvor unterstützt und Empfehlungsschreiben verfasst. Adis Ahmetović, Bundestagsabgeordneter und SPD-Landesvize in Niedersachsen, war Ende 2022 über die Vorwürfe informiert worden, unternahm jedoch nichts. Die SPD betont, der Verein habe keine offiziellen Verbindungen zur Partei.
Die Ermittlungen zur mutmaßlichen Veruntreuung der Gelder laufen weiter. Iri und Bozdemir sind von ihren Posten zurückgetreten, der Verein steht vor der Insolvenz. Die Behörden überprüfen derzeit die finanziellen Transaktionen und Immobiliengeschäfte im Zusammenhang mit dem Fall.
