Tomahawk-Deal platzt: Deutschlands Sicherheitslücke wird zur Dringlichkeitsaufgabe
Amelie KrügerTomahawk-Deal platzt: Deutschlands Sicherheitslücke wird zur Dringlichkeitsaufgabe
Deutschlands Pläne zur Stationierung US-amerikanischer Marschflugkörper vom Typ Tomahawk auf eigenem Boden sind überraschend geplatzt. Die Entscheidung folgt einer Kehrtwende des früheren US-Präsidenten Donald Trump und zwingt die Verteidigungspolitik nun zum schnellen Umdenken. Abgeordnete aus Union und SPD fordern von Verteidigungsminister Boris Pistorius, die entstandene Sicherheitslücke umgehend zu schließen.
Die geplanten Tomahawk-Raketen sollten eigentlich eine Übergangslösung sein, während Europa an eigenen präzisionsgelenkten Langstreckenwaffen arbeitet. Doch Trumps Rücknahme der 2024 von der Biden-Regierung getroffenen Vereinbarung lässt Deutschland nun ohne diese Zwischenlösung zurück. Experten warnen vor einer wachsenden „Abschreckungslücke“, die die defensive Haltung des Landes schwächen könnte.
Thomas Erndl, verteidigungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, kritisiert das schleppende Tempo bei der Modernisierung der Bundeswehr. Besonders bei Langstreckenwaffen sehe er erhebliche Verzögerungen. Er verlangt von Pistorius einen „Aktionsplan 2029“, um innerhalb von fünf Jahren eine glaubwürdige Abschreckung aufzubauen. Zudem rät er dem Minister, innovative Lösungen von jungen deutschen Rüstungsfirmen zu prüfen, die sich auf Marschflugkörper-Technologie spezialisiert haben.
Die SPD-Abgeordnete Siemtje Möller hingegen plädiert für eine beschleunigte Entwicklung einer europäischen Raketenproduktion. Deutschland könne von der Ukraine lernen, die mit der bodengestützten Mittelstreckenrakete FP-5 Flamingo erfolgreich ein eigenes System entwickelt habe. Möller betont, dass eine engere Zusammenarbeit mit Kiew Europas Fähigkeit stärken würde, eigenständig hochmoderne Waffen herzustellen.
Sowohl Erndl als auch Möller sind sich einig: Der Ausfall der Tomahawk-Stationierung macht die Dringlichkeit einer eigenständigen Rüstungsfähigkeit deutlicher denn je. Ohne schnelles Handeln, so ihre Warnung, drohe Deutschland in puncto Verteidigungskapazitäten den Anschluss zu verlieren.
Die Absage der Tomahawk-Pläne zwingt Deutschland nun zum Umdenken in der Sicherheitspolitik. Die Politiker drängen auf eine schnellere Entwicklung eigener Waffensysteme und engere Partnerschaften – etwa mit der Ukraine. Der Druck auf Pistorius wächst, noch vor der 2029er-Frist ein konkretes Konzept vorzulegen.






