UNRWA in der Krise: Vorwürfe gegen Mitarbeiter erschüttern Hilfsorganisation
Amelie KrügerUNRWA in der Krise: Vorwürfe gegen Mitarbeiter erschüttern Hilfsorganisation
Die UN-Organisation UNRWA, die zur Unterstützung palästinensischer Flüchtlinge gegründet wurde, steht zunehmend in der Kritik wegen ihrer Arbeitsweise. Vorwürfe, wonach einige Mitarbeiter Verbindungen zu militanten Gruppen unterhalten, haben Ermittlungen und Kürzungen der Finanzmittel ausgelöst. Mehrere große Geldgeber setzten ihre Zahlungen 2023 vorübergehend aus, nachdem Berichte über die Beteiligung von UNRWA-Mitarbeitern am Angriff vom 7. Oktober bekannt geworden waren.
UNRWA wurde eingerichtet, um die Krise der palästinensischen Flüchtlinge zu bewältigen, doch Kritiker argumentieren, dass ihre Struktur den Konflikt eher verlängere als zu seiner Lösung beizutragen. Beweise der israelischen Geheimdienste sowie Aussagen von Geiseln deuteten darauf hin, dass mindestens zwölf UNRWA-Beschäftigte an den Angriffen vom 7. Oktober beteiligt waren. Eine interne UN-Untersuchung führte zur Entlassung von neun Mitarbeitern, die im Verdacht standen, in die Ereignisse verwickelt zu sein.
Bundesermittler prüfen derzeit rund 1.500 mit UNRWA in Verbindung stehende Personen im Gazastreifen – etwa 12 Prozent der lokalen Belegschaft – auf mögliche Terrorverbindungen. Die Führung der Organisation wehrt sich gegen tiefgreifendere Überprüfungen und betont, nur eine Minderheit der Mitarbeiter sei belastet; eine systematische Unterwanderung wird bestritten.
Die USA hatten unter dem damaligen Präsidenten Trump die jährliche Finanzierung für UNRWA gestrichen. Die aktuelle Regierung erwägt weitere Schritte, darunter terrorismusbezogene Sanktionen und die Aberkennung des diplomatischen Immunitätsstatus der Organisation. Die Europäische Kommission hingegen gewährt UNRWA weiterhin jährlich 80 bis 90 Millionen Euro. 2023 setzten 17 Länder, darunter die USA, Deutschland und Frankreich, ihre Zahlungen vorübergehend aus, stellten sie später jedoch größtenteils wieder her.
Unabhängig davon wies die Medienbeobachtungsorganisation HonestReporting auf Fälle hin, in denen Fotografen, die für große Nachrichtenagenturen arbeiten, während der Angriffe vom 7. Oktober in der Nähe von Hamas-Mitgliedern gesichtet wurden. Die Hamas wird seit 1997 von den USA und seit 2003 von der EU als terroristische Vereinigung eingestuft.
Die Enthüllungen führten zu vorübergehenden Einfrierungen von Geldern und laufenden Ermittlungen. UNRWA bleibt unter Druck, während die Geldgeber ihre Unterstützung neu bewerten. Die Zukunft der Organisation hängt von den Ergebnissen der Untersuchungen und den Reaktionen ihrer wichtigsten finanziellen Förderer ab.
