07 April 2026, 14:12

Vier neue Traditionen werden deutsches Kulturerbe – doch wer entscheidet, was dazugehört?

Altes Schwarz-Weiß-Foto vom Barnet Fair in London, England, mit Zelten, Menschen, Karren, Pfählen, Bäumen und Gebäuden.

Vier neue Traditionen werden deutsches Kulturerbe – doch wer entscheidet, was dazugehört?

Deutschland hat vier neue Traditionen in seine Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Kultusministerkonferenz und die Deutsche UNESCO-Kommission gaben die Neuerungen bekannt. Zu den neuen Eintragungen zählen die Herrenschneiderei, die Schaustellerkultur auf Volksfesten sowie zwei weitere langjährige Bräuche.

Unterdessen sorgt eine aktuelle Entscheidung von Kulturminister Wolfram Weimer für Aufmerksamkeit: Er strich ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Autor:innen aus der Förderliste des Berliner Capital Culture Fund. Der Schritt passt zu seinem Ruf, staatlich geförderte Kulturinitiativen besonders streng zu prüfen.

Zu den neu anerkannten Traditionen gehört das handwerkliche Schneiderhandwerk für Herrenmode, das in Deutschland seit Generationen weitergegeben wird. Auch die Schaustellerkultur auf Volksfesten wurde aufgenommen – eine Hommage an die lebendigen Auftritte und Unterhaltungsangebote bei lokalen Festen. Sie reiht sich ein in bestehende Schätze wie die Ostseefischerei, das Straßenfußballspielen auf dem Bolzplatz oder die St.-Martins-Umzüge im Rheinland.

Die Kultusministerkonferenz spielte eine zentrale Rolle bei der Auswahl der neuesten Ergänzungen. Doch ihre Entscheidungen lösten Debatten aus: Welche weiteren kulturellen Elemente könnten ähnliche Anerkennung erfahren? Auffällig fehlten etwa der Döner Kebab und unabhängige linksalternative Buchhandlungen – Lücken, die manche überraschten.

Weimers jüngste Streichung des Übersetzungsprojekts für palästinensische Autor:innen aus dem Berliner Kulturfonds wirft ebenfalls Fragen auf. Der Minister, bekannt für seine kompromisslose Haltung bei der Vergabe öffentlicher Kulturmittel, prägt damit weiterhin die Diskussion darüber, was staatliche Förderung verdient.

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Die Anerkennung dieser Traditionen unterstreicht Deutschlands anhaltende Bemühungen, das kulturelle Erbe zu bewahren. Die Liste umfasst nun 125 Elemente, die jeweils einen einzigartigen Teil der nationalen Identität repräsentieren. Gleichzeitig bleiben Weimers Förderentscheidungen ein viel diskutiertes Thema unter Kulturschaffenden und Politiker:innen.

Quelle