Warum viele Stellen unbesetzt bleiben – trotz Fachkräftemangel und Personalbedarf
Greta WolfWarum viele Stellen unbesetzt bleiben – trotz Fachkräftemangel und Personalbedarf
Viele Unternehmen haben trotz steigenden Personalbedarfs Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Ein zentrales Problem scheint zu sein, wie Firmen die Löhne festsetzen – oft zu niedrig, um Bewerber anzulocken. Experten raten zu höheren Gehältern, um die Einstellungshürden zu senken, doch die Unternehmen zögern, die Löhne anzuheben.
Ökonomische Theorie und gesunder Menschenverstand deuten auf eine einfache Lösung hin: Höhere Löhne sollten mehr Bewerbungen nach sich ziehen. Dennoch sträuben sich viele Betriebe gegen diesen Ansatz. Benjamin Friedrich, Associate Professor für Strategie an der Kellogg School of Management, argumentiert, dass Unternehmen den tatsächlichen Wert offener Positionen falsch einschätzen. Dadurch bleiben die angebotenen Gehälter hinter anderen Arbeitsmöglichkeiten zurück, die Arbeitnehmer haben könnten.
Zudem vermeiden es Unternehmen, Lohnerhöhungen öffentlich zu kommunizieren, um Forderungen nach Gehaltsanpassungen von bestehenden Mitarbeitern zu verhindern. Sind die Löhne erst einmal festgelegt, ist eine spätere Kürzung kaum noch möglich. Folglich zögern Firmen, ihre anfänglichen Gehaltsangebote zu korrigieren – mit der Folge, dass Stellen unbesetzt bleiben.
Besonders ausgeprägt ist das Problem in schnell wachsenden Unternehmen, die vor den größten Einstellungsherausforderungen stehen. Dies widerspricht der Annahme, dass "Suchreibungen" – also Schwierigkeiten, Arbeitnehmer und Stellen zusammenzubringen – das Haupthemmnis seien. Stattdessen scheint das Problem eng mit der Lohnfestsetzung verknüpft zu sein.
Kleinere Betriebe tun sich insbesondere schwer, aktuelle Gehaltsdaten zu beschaffen. In Deutschland gibt es bisher keine aktuellen staatlichen Maßnahmen, die Unternehmen – vor allem kleinen – den Zugang zu aktuellen Lohnvergleichen erleichtern. Ohne diese Informationen riskieren Firmen, die Löhne zu niedrig anzusetzen.
Noch langsamer passen sich die Gehälter bei Nebenrollen und in dünn besiedelten Regionen an. Bis Januar 2026 gaben 88 Prozent der kleinen Unternehmen an, kaum oder gar keine qualifizierten Bewerber zu finden – ein deutlicher Beleg für die anhaltende Diskrepanz zwischen Lohnangebot und Arbeitsmarktnachfrage.
Die Personalengpässe bestehen fort, weil Unternehmen die notwendigen Löhne unterschätzen, um Arbeitskräfte zu gewinnen. Ohne bessere Daten oder die Bereitschaft, die Bezahlung anzupassen, werden viele Stellen voraussichtlich weiter unbesetzt bleiben. Die Unternehmen stehen nun vor der Wahl: Entweder die Gehälter erhöhen, um die Stellen zu besetzen, oder weiterhin mit unbesetzten Positionen kämpfen.






