10 June 2026, 16:06

Nadav Lapid verlässt FID Marseille nach Boykott-Druck und politischer Kontroverse

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid verlässt FID Marseille nach Boykott-Druck und politischer Kontroverse

Der israelische Regisseur Nadav Lapid hat sich vom internationalen Filmfestival FID Marseille zurückgezogen – mitten in einer wachsenden Kontroverse. Die Entscheidung folgt dem Druck von Filmemachern, die ihre Werke aus Protest von dem Festival zurückzogen. Festivalleiterin Tsveta Dobreva hatte Lapid zunächst aus Respekt vor seinem künstlerischen Schaffen eingeladen, sah sich jedoch mit zunehmenden Forderungen konfrontiert, diese Entscheidung rückgängig zu machen.

Der Streit entzündete sich an Lapids geplanter Rolle als Jurymitglied. Der scharfe Kritiker der Regierung unter Benjamin Netanyahu lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“ beschrieben.

Rund zehn Filmemacher zogen ihre Beiträge zurück, was Lapid schließlich dazu bewog, seinen Rückzug zu erklären, um das Festival nicht weiter zu belasten. Die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, die ebenfalls ihr Werk abzog, wies Vorwürfe der Zensur zurück. Sie betonte, man lehne ein kulturelles und politisches Modell ab – nicht eine einzelne Person.

Unterstützung erhielt Lapid von über 350 Branchenvertretern, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard. Sie unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie den Boykott verurteilten. Auch Le Monde veröffentlichte zwei Stellungnahmen zu seinen Gunsten: In einer hieß es, sein Rückzug solle „über den unmittelbaren Konflikt hinaus alarmieren und mobilisieren“. Ein zweiter Beitrag mit dem Titel Kino ist keine Botschaft kritisierte die „Einschüchterungskampagne“ gegen ihn.

Lapid willigte ein, das Festival zu verlassen, um die Spannungen zu entschärfen, äußerte jedoch Frustration über die eskalierende Auseinandersetzung. Der Vorfall offenbart tiefe Gräben bei der Frage kultureller Boykotte und politischer Äußerungen in der Filmbranche. Sein Rückzug beendet zwar die akute Krise, lässt die Debatte jedoch ungelöst.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones
Quelle