NDR kämpft um Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Julian Reichelt
Der Rechtsstreit um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt gewinnt erneut an Brisanz. Der öffentlich-rechtliche Sender NDR hat angekündigt, sich für eine vollständige Wiederaufnahme des Verfahrens einzusetzen, um zensierte Passagen seiner Berichterstattung über den Fall wiederherzustellen. Im Mittelpunkt des Streits stehen Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens und beruflichen Drucks, die Reichelt wiederholt zurückgewiesen hat.
Die Affäre begann 2022, als Der Spiegel erstmals über angebliche Beziehungen Reichelts mit Untergebenen berichtete. Ein Jahr später strahlte die ARD in der Sendung Reschke Fernsehen eine detaillierte Untersuchung aus, in der ihm vorgeworfen wurde, Frauen zu sexuellen Beziehungen genötigt zu haben. Diese Sendung wurde jedoch später aus der ARD-Mediathek entfernt, nachdem Reichelt eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte, die zur Streichung zentraler Passagen führte.
NDR stellt sich nun gegen diesen Beschluss. Der Sender plant, Zeugen zu laden, darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer sexuellen Beziehung gedrängt – der schwerste Vorwurf gegen ihn. Sollte das Verfahren fortgesetzt werden, könnte eine öffentliche Überprüfung dieser Aussagen für Reichelts früheren Arbeitgeber, den Axel-Springer-Verlag, unangenehme Folgen haben. Einige der betroffenen Frauen hätten Berichten zufolge nach ihren Enthüllungen berufliche Nachteile erlitten.
Der Fall zieht sich bereits seit Jahren hin, was auch auf die langsamen Abläufe der deutschen Justiz in Presserechtsfragen zurückzuführen ist. Selbst jetzt, vier Jahre nach den ersten Vorwürfen, ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Reichelt bestreitet weiterhin alle Anschuldigungen und stellt sich als Opfer einer politischen Kampagne dar. Unterdessen könnte der Vorstoß des NDR, die zensierten Berichte wiederherzustellen, neue Details ans Licht bringen. Die Entscheidung könnte von den Zeugenaussagen abhängen und davon, ob die Gerichte die gestrichenen Inhalte wieder freigeben.






