Wie russische Schulen seit 2022 Patriotismus statt kritischem Denken fördern
Amelie KrügerWie russische Schulen seit 2022 Patriotismus statt kritischem Denken fördern
Russische Schulen haben seit 2022 tiefgreifende Veränderungen durchlaufen. Die Regierung fördert nun gezielt Patriotismus und staatlich genehmigte Werte durch neue Fächer und Lehrbücher. Eine renovierte Schule veranstaltet sogar Formate wie „Gespräche über das Wichtige“, um diese Ideale zu verbreiten.
Die Autorin besuchte in den frühen 2000er-Jahren eine russische Schule. Damals herrschten chaotische Verhältnisse: Es mangelte an Englischlehrkräften, Computern oder Beamern. Trotz der knappen Ressourcen regten Literatur- und Geschichtsstunden zu offenen Debatten und kritischem Denken an. Tägliche Flaggenzeremonien oder eine aufgezwungene Staatsideologie gab es nicht. Auch erinnert sich die Autorin daran, dass sie in diesen Jahren keine Feindseligkeit der Welt gegenüber Russland spürte.
Nach 2022 vollzog das Bildungssystem eine Wende. Neue Lehrbücher und Fächer sollten Patriotismus vermitteln. In Geschichte und Sozialkunde werden Russlands Grenzen so dargestellt, als habe der Krieg in der Ukraine mit einem Sieg geendet. Ein Fach namens „Familienkunde“ lehrt Mädchen Bescheidenheit und Keuschheit, während Abtreibung verurteilt wird. Die ehemalige Schule der Autorin wurde unterdessen modernisiert – mit Schwimmbad, Stadion und Veranstaltungen, die staatlich definierte Werte propagieren.
Die Reformen haben prägend verändert, was Schüler:innen lernen. Der Fokus liegt nun auf Staatsloyalität und traditionellen Werten. Die renovierten Einrichtungen stehen im Kontrast zu den einst unterfinanzierten Klassenzimmern, doch der Lehrplan unterliegt heute einer weit strengeren Kontrolle.






