Warum „Dinner for One“ seit 60 Jahren unseren Silvesterabend prägt

Admin User
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Ein Teller mit Essen und Weingläsern auf einem Tisch.

Warum „Dinner for One“ seit 60 Jahren unseren Silvesterabend prägt

Jedes Jahr an Silvester schalten Millionen Menschen in Deutschland und Österreich ein, um Dinner for One zu sehen – eine kurze Komödie, die längst zum festen Festtagsritual geworden ist. Der schwarz-weiße Film von 1963, der in einem englischen Salon um 1900 spielt, begleitet eine betagte Aristokratin und ihren Butler bei einer skurrilen Geburtstagsfeier. Obwohl die Sketch-Reihe in ihrem Heimatland kaum bekannt ist, hat sie in der deutschsprachigen Welt seit den 1970er-Jahren Kultstatus erreicht.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Miss Sophie, eine 90-jährige Dame, die ihr jährliches Geburtstagsdinner ausrichtet. Ihre vier engsten Freunde – längst verstorben – werden von ihrem Butler James verkörpert, der an diesem Abend nicht nur bedienen, sondern auch jeden Gast am Tisch darstellen muss. Mit jedem Gang des Menüs wird James zunehmend betrunkener, lallt seine Worte und stolpert durch die höfischen Formalitäten. Der Humor entsteht aus dem Kontrast zwischen der steifen Etikette der Oberschicht und der sich immer weiter steigenden Trunkenheit des Butlers.

Gleichzeitig bietet der Sketch eine subtile Kritik an den Ritualen und der Isolation des aristokratischen Lebens. Miss Sophie beharrt auf der Einhaltung der Tradition, obwohl ihre Verwandten abwesend und ihre Freunde tot sind. Jeder Gang des Essens, begleitet von einem bestimmten Getränk, spiegelt den kolonialen Handel und die Klassennormen wider, während die leeren Stühle die Einsamkeit als unausgesprochenen Standard unterstreichen. Die Dynamik zwischen Miss Sophie und James verwischt die Grenze zwischen Dienstbarkeit und Mittäterschaft – ihre Beziehung ist geprägt von Förmlichkeit und stillem Aufbegehren.

Die Hauptrolle in Dinner for One spielte Freddie Frinton, ein britischer Komiker, der 1909 in London geboren wurde. Frinton hatte jahrzehntelang in Theaterstücken und kleineren Filmrollen mitgewirkt, doch dieser Sketch – erstmals bereits 1945 aufgeführt – machte ihn unsterblich. Ironischerweise hatte er mit 16 seinen ersten Job verloren, weil er in einer Fischfabrik Witze gerissen hatte. Seine Darstellung des stets loyalen, aber zunehmend betrunkenen James verwandelte eine einfache Farce in ein bleibendes Symbol für die Silvesterfeierlichkeiten.

Seit den 1970er-Jahren wird Dinner for One alljährlich am 31. Dezember im deutschen und österreichischen Fernsehen ausgestrahlt. Die Mischung aus Slapstick, Gesellschaftssatire und Melancholie fasziniert das Publikum Jahr für Jahr aufs Neue. Mit seiner Verbindung aus kulinarischem Ritual, Klassenparodie und gemeinsamem Lachen ist der Sketch längst mehr als nur eine Komödie – er ist ein fester Bestandteil des Festes selbst.